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Utes Makeover und aus Feindschaft wird Freundschaf
Author: Conny
Content: PG
Location: Salon
Category: Consensual
Type: NA
Post date: Saturday, September 11, 2010
Language: German
Rating: 2.092.09 average from 11 readers
Page views: 2663   

Dienstag 02. August 1994 

Als Josef am Dienstagmorgen seinen Salon aufschloss, standen Ute, Franziska, Annegret, Uschi sowie ein kleiner Junge vor der Tür und warteten darauf, eingelassen zu werden.

Janine bat Uschi gleich in den Damenbereich und fragte sie nach ihrem Lieblingsmotiv. Das Mädchen antwortete: „Ein getigerter Kater.“

Nachdem Janine sich das notiert hatte, ging sie in den Herrenbereich, da Ute dort Platz genommen hatte. Nach einer kurzen Diskussion war klar, dass Ute zwar im Herrenbereich bedient, aber mit der Maschine von Janine geschoren werden würde. Auf die Frage von Janine „Weiß, Gelb oder Orange?“ antwortete Ute mit „Orange“. 

Da ihr knapp 5-Jähriger Bruder Stefan (seine mittelbraunen Haare sind schulterlang) schon vorher vorbereitet wurde, werde ich zuerst auf diesen Haarschnitt eingehen.

Nach einer kurzen Frage von Josef war klar, dass Stefan mehrmals Axel mit dessen Haarschnitt gesehen hatte und den gleichen Haarschnitt bekommen wollte. Josef legte Stefan den orangefarbenen Frisiermantel an und setzte seinen kleinen Kunden in den Hochstuhl.

Den Clipper hatte Josef schon mit dem #5-0-Scherkopf bestückt, als er diesen einschaltete und fragte: „Bereit, Stefan?“ Dieser konnte nur nicken. Stefan sah lächelnd und interessiert zu, als Josef ihm den Hinterkopf und die Seiten auf 0,1 mm schor. Dann nahm Josef seinen zweiten Clipper und reduzierte Stefans Oberkopfhaare auf eine Länge von 4,5 mm. Nachdem er die Übergänge perfekt angeglichen hatte, säuberte Josef noch den Nacken.

Als er Stefan dann mit dem Spiegel den Hinterkopf zeigte, fragte Josef: „Zufrieden, junger Mann?“  Stefan nickte: „Ja sehr, denn letzte Woche habe ich sehr unter den langen Haaren gelitten. Daher danke ich Ihnen sehr.“ 

Josef hob Stefan vom Hochstuhl, befreite ihn vom Frisiermantel und sagte: „Gehe bitte in den Wartebereich und warte dort auf deine Schwester.“ Stefan nickte und tat wie geheißen. 

Janine fragte: „Ute, wozu hast du dich entschieden?“ Ute antwortete: „Mache mir bitte einen hohen Pferdeschwanz und schneide diesen ab. Dann rasierst du den Hinterkopf und die Seiten vollständig, doch den Oberkopf scherst du bitte auf 7 mm. Allerdings möchte ich, dass du nur deinen Clipper verwendest.“ Janine fragte nach: „Bist du sicher?“ Ute antwortete lächelnd: „Ja, ich bin sicher, liebe Janine.“

Nachdem sie den Pferdeschwanz abgeschnitten und diesen auf die Ablage gelegt hatte, wunderte Janine sich doch sehr, wie schwer der Pferdeschwanz war. Plötzlich ging die Salontür auf und Josef ging nach vorne, um die Eingetretenen zu begrüßen. 

Die Frau hatte halbrückenlange Haare, welche zwei Farbtöne aufwiesen. Es sah aus wie ein Mischmasch aus honigblondem und mausbraunem Haar. Der Mann hatte rotblonde, leicht gewellte Haare, welche wegen ihrer Länge wie ein Mopp aussahen.

Josef dachte sich, dass die beiden einen Friseur dringendst nötig hätten, doch schob er den Gedanken zunächst mal beiseite.

Auch Ute sah in den Spiegel und konnte sich keinen Reim darauf machen, warum ihre Eltern gekommen waren. Sie sagte: „Kannst du bitte unterbrechen, Janine, denn meine Eltern sind hier. Doch warum, das weiß ich nicht.“ Janine nickte und legte ihren Clipper beiseite. Sie ging zu Stefan, sagte zu ihm „Deine Eltern sind da, komm bitte mit“, und ging um die Ecke, um Vater und Mutter Brunnhuber zu begrüßen. 

Als Silke Brunnhuber ihren Sohn sah, fragte sie: „Stefan, wie gefällst du dir selbst?“ „Sehr, sehr gut, Mama“, war die begeisterte Antwort. „Wenn du dich wohlfühlst, dann ist es auch für mich okay“, sagte sie und an Josef gewandt fügte sie hinzu: „In erster Linie hat uns die Neugier über die Veränderung unserer Tochter hergetrieben. Außerdem möchten wir auch noch eine Bestätigung über die Preise haben, welche sie meiner Tochter genannt haben.“ 

Statt Josef antwortete Janine: „Ich habe Ute erlaubt, uns zu duzen und erweitere diese Erlaubnis auch auf Euch. Mein Mann heißt Josef und ich heiße Janine.“ Silke nickte und erwiderte: „Mein Mann heißt Fritz Brunnhuber und ich heiße Silke.“ Um es zu besiegeln, gaben sie sich gegenseitig die Hände. 

Janine fuhr fort: „Wenn Euch Eure Tochter 18 DM für einen Herren- und 25 DM für einen Damenhaarschnitt mit Spülung genannt hat, so ist das wahr. Auch für die Behandlung von Stefan werden wir nichts verlangen, und am Wochenende haben wir beschlossen, für die heutige Behandlung Eurer Tochter nur 10 DM zu verlangen. Ute hat mir einen sehr radikalen Auftrag gegeben und es wird Zeit, diesen zu beenden.“ 

Bevor sie jedoch in den Herrenbereich gingen, fragte Josef: „Fritz, ein Haarschnitt gefällig?“ Der nickte nur, weil Fritz nicht in der Lage war, zu sprechen. Allerdings setzte er sich ohne Zögern in den zweiten Bedienstuhl neben seine Tochter und ließ sich von Josef vorbereiten. Fritz war so nervös, dass er die Frage von Josef nicht hörte und erst durch die laute Frage seiner Tochter, ob er die Frage nicht gehört habe, in die Realität zurückkehrte. 

Fritz sagte: „Der Hausmeister unserer Schule hatte am Samstag einen neuen Haarschnitt, welchen ich auch möchte. Außerdem kann ich damit der Hitze trotzen.“ Inzwischen hatte auch Janine die Arbeit an Utes Haarschnitt fortgesetzt, welche lächelnd zusah, als ihre teilweise noch langen Haare den Umhang hinab rieselten. Dann steckte Janine den kleineren Abstandshalter auf ihren Clipper und stellte diesen auf 7 mm ein. 

Nach einem kurzen Blickwechsel mit Ute wusste Janine, dass sie weitermachen konnte. Utes Oberkopfhaare wurden langsam aber stetig von Janine auf eine Länge von 7 mm geschoren. Nach dem Angleichen der Übergänge und dem Ausrasieren des Nackens erlöste Janine ihre Kundin jedoch noch nicht, sondern zeigte Ute den Hinterkopf mit dem Handspiegel. Und als Ute zufrieden nickte, legte Janine den Handspiegel wieder weg und fragte, als ob es die natürlichste Sache der Welt sei: „Nun, liebe Nichte, was hältst du von deinem neuen Look?“ 

„Das sage ich dir erst, wenn du mich erlöst hast, liebe Tante“, war die schlagfertige Antwort. Was Janine dann auch tatsächlich tat. Ute blieb jedoch zunächst sitzen und sagte zu Janine: „Liebe Tante, zunächst einmal vielen Dank, dass Ihr uns in Eure Familie aufgenommen habt. Außerdem danke ich dir sehr, dass du mich von der Last, welche meine Mähne für mich letztendlich darstellte, befreit hast.“ 

Nun blickte Ute hinüber zu ihrem Vater, welchen Josef gerade von dem Umhang erlöst hatte. Josef brauchte seinem Kunden nur noch den Nacken auszurasieren, dann war auch Fritz fertig. Als Josef ihm den Hinterkopf mit dem Handspiegel zeigte, sagte Josef: „Am besten fragen wir erst mal deine Tochter, was sie von deinem Haarschnitt hält.“ 

Ute setzte ein Lächeln auf und sagte: „Vielen Dank, Onkel Josef, für einen neuen Vater, allerdings habe ich ihm diesen Mut nicht zugetraut.“ Fritz antwortete schlagfertig: „Nun wenn dein Bruder sich fast alle Haare abrasieren lässt, kann ich ja nicht weiter mit meinem Mopp herumlaufen. Du hast erheblich mehr Mut bewiesen, denn deine Mähne war vorher fast rückenlang und in meinen Augen siehst du immer noch sehr feminin aus.“ 

Inzwischen war auch Silke hinzugetreten und sagte: „Das ist auch meine Meinung. Und jetzt weiß ich auch, dass ich mich vertrauensvoll in die Hände von Janine begeben kann. Und Euch, Annegret und Franziska, möchte ich mitteilen, dass ihr mich und meinen Mann ab sofort als Tante Silke und Onkel Fritz ansprechen dürft. Somit ist Ute Eure Cousine und Stefan ist Euer Cousin. Und jetzt erteile ich meiner geliebten Tochter das Wort.“ 

Ute stand auf, und man konnte sehen, dass sie Freudentränen in den Augen hatte. Ute sagte: „Meine lieben Cousinen, Ihr habt mir, einer damals völlig Fremden, eine Hilfe und Unterstützung zuteilwerden lassen, welche Ihresgleichen sucht. Ihr habt mich als hilfebedürftigen Menschen gesehen und nicht als ein Subjekt, das ausgegrenzt und gehänselt werden muss.

Erst letze Woche wurde mir ein Zettel zugesteckt auf dem wörtlich stand ‚Wie kannst du nur die Tochter des Konrektors um Hilfe bitten? Dafür werden wir dich ewig hassen.‘ Das ‚hassen‘ war dreimal rot unterstrichen und mit einem Totenkopfsymbol versehen. Da ich die Handschrift kannte, habe ich ihn deshalb zerrissen und in die Mülltonne geworfen.

Während des Lesens merkte ich, dass jemand hinter mir stand, und als ich den Zettel vernichtete bemerkte ich, dass es Udo Holzmann war. Ich brauchte bis gestern, um den Schock zu überwinden, und dann habe ich meine Eltern gebeten, Euch in die Familie aufzunehmen.“ 

Nachdem sich die drei umarmt hatten, sagte Franziska: „Auch von unseren Eltern kann ich dir ausrichten, dass du sie verwandtschaftlich ansprechen darfst. Wir beide werden ab Samstag für drei Wochen bei Tante Hedwig und ihrer Familie in S.-W. sein, und ich freue mich schon darauf, meine Cousine Doris und Frau Doreen S. wiederzusehen.“ 

Nun sagte Silke: „Ich möchte Euch bitten, jetzt nach Hause zu gehen und Euch überraschen zu lassen.“  Nachdem Fritz für seine und die Behandlung seiner Tochter bezahlt hatte, sagte Josef: „Ich möchte Euch mitteilen, dass ich erst am Montag, den 05. September, um 14:00 Uhr wieder öffnen würde. Die Woche vom 29.08. bis 03.09. ist der Salon geschlossen.“ 

Als Ute, Uschi, Franziska, Annegret, Fritz und Stefan dann den Salon verließen, wurde Ute kurz danach von ihrem Klassenkameraden Udo Holzmann angesprochen. (Hierzu muss erwähnt werden, dass er sich nie an den Hänseleien beteiligt hatte, weil er diese dämlich und kindisch fand) Udo schmeichelte Ute, indem er ihr sagte, dass er sie für ihren Mut bewundere. Anschließend fragte Udo verlegen, ob er Ute auf ein Eis für morgen Nachmittag einladen dürfe. Nach einem Blickwechsel mit ihrem Vater sagte Ute für 15:00 Uhr zu. 

Inzwischen hatte Janine bei Silke die Haaranalyse durchgeführt und berichtete: „Also Silke, um die Mähne wieder in einen guten Zustand zu versetzen, muss ich diese zumindest um die Hälfte kürzen.“ Silke erzählte nun in Kurzform vom Erlebnis in einem anderen Salon: „Ich hatte mich für eine Farbveränderung und Ute für einen Neuschnitt angemeldet. Als ich dann bezahlte, nahm mir der Inhaber satte 165 DM ab. Diesen Betrag zahlte ich dann auch anstands- und kommentarlos, schwor mir aber, diesen Salon mein ganzes Leben lang nicht mehr zu betreten. Da ich dachte, dass Ihr hier das gleiche Preisniveau hättet, bin ich deshalb auch nicht hierhergekommen. Als dann Ute letzten Mittwoch nach Hause kam und uns über die Preise hier informierte, glaubte ich, dass sie uns einen Bären aufbinden würde, welcher schon mehr ein Mammut wäre. Und nun möchte ich dich fragen, ob du mich zu deinem Zwilling machen kannst.“ 

„Kann ich schon“, sagte Janine, „aber ich muss dich warnen. Bei mir ist der Oberkopf auf 4 cm geschnitten und der Hinterkopf auf 7 mm geschoren.“ (Inzwischen hatten Udo und seine Freunde den Herrenbereich betreten) „Na dann leg mal los“, kam die eindeutige Aufforderung von Silke. 

Zunächst schnitt Janine Silkes Haare auf Nackenlänge ab, wusch und kurte den Rest, dann begann sie mit dem Haarschnitt. Als Janine den Oberkopf und die Seitenhaare auf 4 cm Länge reduziert hatte, war der Hinterkopf trocken genug, um mit dem Clipper geschoren werden zu können. 

Nachdem sie den Pixie fertig gestellt hatte, arbeitete Janine noch ein wenig Haargel ein und sagte: „So, meine liebe Silke, jetzt sehen wir wie Zwillinge aus, mit Ausnahme der Haarfarbe. Das Haargel hält die schädliche UV-Strahlung von deinem Haar fern. Aber pass gut auf, denn du muss dieses Haargel heute Abend unbedingt auswaschen. Am besten lässt du dir von Franzi Wagner erklären, was passiert, wenn du es nicht tust...“ 

Inzwischen hatten mehrere Mütter mit ihren dunkelhaarigen Töchtern im Damenbereich Platz genommen. >Ich bin gespannt was die wollen< dachte sich Janine, während sie mit Silke zur Kasse ging. Dort sagte Janine dann mit leiser Stimme: „Normal kostet deine Behandlung 27,50 DM, doch aufgrund deines Mutes zahlst du nur die Hälfte; das wären dann 13.75 DM. Und dann gebe ich dir noch das Haargel mit, welches ich bei dir eingearbeitet habe.“

Silke nahm einen grünen Schein heraus, gab diesen Janine und sagte: „Der Rest ist für deine Großzügigkeit und deine exzellente Arbeit.“ Nachdem sie das Haargel bekommen hatte, verabschiedete sich Silke und ging nach Hause, wo sie mit einem großen Hallo und viel Enthusiasmus empfangen wurde. 

Dann ging Janine zu ihrem Mann und fragte: „Brauchst du den Frisiermantel im Moment?“ Josef erwiderte: „Nein, den kannst du mitnehmen.“ Unterdessen sah sie, dass einer der Jungen bereits Stefans Haarschnitt bekommen hatte, und dem anderen im Bedienstuhl die Hinterkopfhaare auf 0,1 mm abgeschoren worden waren.

Doch Janine störte sich nicht daran, sondern ging wieder in ihren Bereich und sagte: „Der Nächste bitte.“  Daraufhin erhob sich ein mürrisch dreinblickendes, fast schwarzhaariges Mädchen mit rückenlangen Haaren. 

Janine holte sich ihren Kindersitz und lege diesen auf ihren mittleren Bedienstuhl, ging dann zu dem Mädchen und fragte: „Mein Name ist Janine und wie darf ich dich nennen?“  „Zoe“, kam als prompte Antwort. Janine fragte weiter: „Nun möchte ich noch wissen, ob ich dich unter einem weißen oder gelben Umhang oder in diesem Mantel bedienen soll?“ „Ich hätte gerne den Mantel, die Farbe gefällt mir so“, sagte Zoe. Sie ließ sich vorbereiten und auf den Kindersitz heben. 

Auf die Frage von Janine „Was hättest du gerne?“ kam die Antwort „Das Aussehen von Uschi.“  Janine keuchte, drehte sich um und es war die Mutter von Zoe, die erklärte: „ Wir wohnen in der gleichen Siedlung wie die Achtmeyers. Natürlich haben unsere Kleinen die Verwandlung von Uschi mitbekommen und lagen uns dann ab Samstagmittag damit in den Ohren. Unsere Männer haben schon am Sonntag kapituliert und unser Wiederstand war gestern Mittag gebrochen. Wir haben unseren Kleinen dann gesagt, dass wir heute Nachmittag hierherkommen würden.“ 

Janine fragte: „Haben die Kleinen über Kopfschmerzen geklagt, nachdem diese in der Sonne waren?“ Zustimmendes Kopfnicken aller Mütter und Janine sagte: „Dann wird bei allen ein Haarschutzgel eingearbeitet, welches die schädliche UV-Strahlung von den Haaren abhält. Dann muss ich noch dazu sagen, dass es bei allen Haarfarben wirkt, aber jeden Abend mit Shampoo ausgewaschen werden muss.

Und da nun der Haarschnitt von Zoe feststeht, möchte ich darum bitten, dass Sie alle einen Zeitungsartikel lesen. Er stammt zwar aus dem Jahr 1971, aber inzwischen ist diese Frisur für beide Geschlechter zeitlos geworden“.

Janine holte den Artikel und händigte ihn an die Mutter von Zoe aus, welche diesen las. (siehe Zeitungsartikel Teil 1)

Nun wandte Janine sich wieder der Kleinen zu und sagte: „So, junge Dame, ich werde Ihnen jetzt einen Pferdeschwanz machen und diesen dann abschneiden. Das weitere Vorgehen hängt dann von der Qualität Ihrer Haares ab.“ Als Zoe dies hörte, strahlte sie nur noch.

Es dauerte nicht lange, bis Janine den Pferdeschwanz gebunden und abgeschnitten hatte. Diesen brachte sie nun zur Mutter von Zoe, welche ihren Mund weit offen hatte. Janine hörte nur ein „Danke. Unglaublich“, ging aber dann zu ihrer kleinen Kundin zurück, um diese fertig zu bedienen.

Janine konnte gleich mit dem Clipper weitermachen (die Länge von 7 mm war vorher schon abgemacht worden) und je mehr Haare fielen, desto mehr strahlte Zoe. Um es gleich richtig zu lernen, ließ Janine die Mutter von Zoe herantreten und diese unter Anleitung von Janine das Haargel in das Haar ihrer Tochter einarbeiten.

Inzwischen hatte auch die letzte Mutter den Artikel gelesen und brachte diesen zu Janine zurück. Auf die anderen Haarschnitte will ich nicht näher eingehen, da diese genauso wie jener von Zoe waren. Janine sagte den Frauen nur, dass sie als Fachkraft an der Aktion, welche in dem Zeitungsartikel beschrieben war, beteiligt gewesen ist, doch die Einzelheiten erzählte Janine nicht. Erwähnen sollte ich noch, dass alle anwesenden Mütter das Haarschutzgel bereits am Samstag gekauft hatten, auf Anraten von Chantal. 

Kurze Zeit später betraten die Zwillingsschwestern Brigitte und Brunhilde Steiner-Paltzer den Salon. Da im Damenbereich noch drei Mädchen saßen, nahmen die Schwestern im Herrenbereich Platz, da dieser leer war. Nach einer kurzen Unterhaltung mit Josef war klar, dass die Eltern der Zwillinge die Erklärung bereits ausgefüllt und unterschrieben hatten, allerdings mit der Einschränkung, dass die maximale Kürze 6 mm sein sollte.

Die beiden hatten ihre rückenlangen tizianroten Haare zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, um Josef die Arbeit so einfach wie möglich zu machen. Brunhilde nahm zuerst im Bedienstuhl Platz und sagte zu ihm: „Ich möchte es zuerst mit einer Länge von 9 mm versuchen.“ Josef nickte, holte sich einen weißen Umhang (mit dem schwarzen wollte er es gar nicht versuchen) und bereitete sie fachgerecht vor.

Mit einer mikroverzahnten großen Schneiderschere schnitt er ihren fast 60 cm langen Pferdeschwanz ab. Josef legte diesen auf die Ablage und ergriff seinen Clipper, welchen er mit einem #3-Abstandshalter versehen hatte. Nach der kurzen Frage „Bereit?“ neigte Brunhilde ihren Kopf, sodass Josef ihren Hinterkopf scheren konnte. Um ihm ihre Gefühle nicht zu verraten, presste Brunhilde ihre Lippen zusammen. Nach einer gewissen Zeit bemerkte Josef dies und lächelte unmerklich dazu, sagte jedoch nichts weiter.

Janine, welche inzwischen mit den kleinen Mädchen fertig war, betrat jetzt den Herrenbereich und fragte die Zwillingsschwester, welche interessiert der Schur ihrer Schwester zusah: „Unter welcher Farbe möchtest du denn sitzen?“ Brigitte erwiderte: „Ich hätte gern ein Orange.“

Janine holte den entsprechenden Umhang und setzte sich dann auf einen der Wartestühle, um dem Geschehen zuzusehen. Dies war nur möglich, da keine anderen Kunden im Salon anwesend waren, welche hätten bedient werden können.

Inzwischen war die Schur von Brunhilde beendet und Josef fragte sie: „Soll ich noch kürzer gehen oder reicht es so?“ Brunhilde fuhr mit den Händen über ihren Kopf und sagte: „Machen Sie es bitte kürzer, aber beginnen Sie bitte mit dem Oberkopf.“

Wie damals Doris, so konnte auch Brunhilde ihre Gefühle nicht im Zaum halten und bat um eine Unterbrechung der zweiten Schur. Nach kurzer Zeit hatte sie sich wieder gefasst und bestätigte Josef durch ein Nicken, dass er weitermachen konnte. Dieses Mal dauerte es nicht lange, bis er sie erlösen konnte.

Als Josef seiner Kundin den Hinterkopf mit dem Handspiegel zeigte, sagte Brunhilde: „Wenn ich gewusst hätte, dass ein Haarschnitt mit einem Clipper solche Gefühle in mir auslösen würde, dann hätte ich es schon viel früher gemacht. Es hat mich in vielen Dingen zum Umdenken gebracht, und dafür bin ich Ihnen sehr dankbar, Herr und Frau Haberkorn. Ich hoffe sehr, dass meine Schwester die gleiche Erfahrung macht wenn sie in diesem Stuhl sitzt.“

Damit verließ sie den Bedienstuhl, um ihrer Schwester die Behandlung zu ermöglichen. Brigitte setzte sich allerdings erst dann hin, nachdem sie mit der Hand über den Kopf ihrer Schwester gefahren war. Vorbereitet wurde Brigitte allerdings von Janine, welche auch darum bat, den Pferdeschwanz abschneiden zu dürfen, da es für sie eine Premiere mit einer mikroverzahnten Schneiderschere sein würde.

Brigitte stimmte dem zu und nach kurzer Zeit war auch der Pferdeschwanz, welcher die gleiche Länge wie der ihrer Schwester aufwies, abgeschnitten. Nun griff Josef zum Clipper, doch Brigitte sagte: „Herr Haberkorn, ich bitte Sie, bei mir am Oberkopf zu beginnen, denn ich möchte keine Möglichkeit zum Umdenken mehr haben.“

Josef sah durch den Spiegel in ihr Gesicht und nickte. Dann schaltete er den Clipper ein, welcher immer noch den #2-Abstandshalter aufgesteckt hatte, und begann seine erste Bahn am Oberkopf, entlang des Mittelscheitels. Nach der zweiten Bahn reagierte Brigitte wie ihre Zwillingsschwester. Das Mädchen fing sich jedoch schnell wieder, sodass Josef weitermachen konnte.

Nachdem auch sie fertig war und Josef ihr das Ergebnis mit dem Handspiegel zeigte, sagte Brigitte: „Ich kann mich den Worten, welche meine Schwester gesagt hat, nur anschließen- Allerdings hätte ich gerne gewusst, wie weit Sie bei einem weiblichen Kunden gehen würden.“

Josef sah zu seiner Frau und die nickte, dann sagte er: „Meine äußerste Grenze sind 3 mm am Oberkopf, der Rest wird mit dem Rasiermesser komplett glattrasiert. Diesen Haarschnitt nennt man High & Tight; und soweit ich weiß, gibt es keine deutsche Bezeichnung dafür.“ „Vielen Dank für die Auskunft, Herr Haberkorn“, sagte Brigitte. 

Unterdessen war Janine in ihrem Bereich gewesen und kam mit einem Blatt Papier sowie einer Tüte in der Hand zurück. Da sie bemerkte, dass man die Pferdeschwänze auseinanderhalten konnte, legte Janine diese beiden in die Tüte und legte das Blatt Papier dazu, dann händigte sie die Tüte an Brigitte aus und sagte: „In dieser Tüte sind Eure Pferdeschwänze sowie auch ein Zeitungsartikel. Diesen händigt Ihr bitte Euren Eltern zum Lesen aus. Allerdings muss ich darauf bestehen, dass Ihr mir den Zeitungsartikel morgen wieder zurück bringt. Sollten irgendwelche Fragen offen bleiben, bin ich gerne bereit, diese zu beantworten. Wenn Ihr diesen Haarschnitt beibehalten wollt, dann seid Ihr zu einem Sonder-Servicetag am Montag, den 5. September, um 14:00 Uhr herzlich eingeladen.“ Die beiden Schwestern nickten, bezahlten und gingen. 

Obwohl die Zwillinge sehr neugierig auf den Inhalt des Zeitungsartikels waren, beschlossen sie dennoch auf dem Heimweg, dass ihre Eltern (Veronica und Alexander mit Vornamen) entscheiden sollten, ob die Zwillinge diesen Artikel lesen sollten oder nicht. 

Josef hatte inzwischen den Salon abgeschlossen und mit Janine zu Abend gegessen. Nachdem die beiden es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht hatten, fragte Janine ihren Mann: „Haben tatsächlich alle 5 Jungen den gleichen Haarschnitt bekommen?“ Josef nickte: „Ja, haben sie. Der Erste der Jungen hat sich mir gegenüber als Udo vorgestellt und mir gesagt, dass er sich morgen mit Ute auf ein Eis treffen wird, und auch, dass er unmöglich mit dieser Matte hingehen wolle. Er habe auch den kleinen Stefan gesehen und fragte mich, wie kurz dessen Haar wäre. Ich habe es ihm erklärt und Udo sagte dann nur, dass ein Mädchen längere Haare als ein Junge haben sollte.

Dann bat er mich darum, ihn von seiner Matte zu befreien. Auf die Frage meinerseits, ob er sich sicher sei, konnte Udo nur noch nicken. Danach habe ich ein paar normale Herrenhaarschnitte ausgeführt, bis dann diese beiden Mädchen kamen. 

Janine entgegnete: „Und für mich war es heute Nachmittag der pure Stress. Während ich Silke, sie ist die Mutter von Ute, fertig bediente, hatte sich mein Wartebereich gut gefüllt. Als ich das erste Mädchen mit dem Mantel vorbereitet hatte, fragte ich das Mädchen wie sie es denn haben wolle. Zur Antwort bekam ich zu hören >Das Aussehen von Uschi<.

Auf Grund dessen musste ich erstmal tief Luft holen und drehte mich mit fragendem Blick zu der Mutter des Mädchens um. Diese erzählte mir die Geschichte dahinter und wir haben vereinbart, dass alle Mädchen auf 7 mm geschoren werden würden. Es wurde ebenfalls vereinbart, dass bei allen Mädchen das Haargel eingearbeitet werden würde. Dieses habe ich jedoch zu Übungszwecken von den Müttern einarbeiten lassen, nachdem ich die Haarschnitte angefertigt hatte.

Mit dieser Aktion war ich dann gegen 16:15 Uhr fertig, und kurz darauf kamen die drei „Bs“ zu mir (Bea, Britta und Burgis). Diese drei Mädchen hatten schon vorher beschlossen, dass jene mit den kürzesten Haaren beginnen sollte. Diesem Mädchen habe ich den Oberkopf auf etwas mehr als 3 cm geschnitten und den Rest auf 7 mm geschoren. Das zweite Mädchen hatte halbrückenlange, mittelbraune Haare und bekam von mir einen femininen Stiftenkopf mit Längen von 10 und 7 mm.

Das dritte Mädchen hatte rückenlange, fast schwarze Haare und war die Radikalste von den Dreien. Diesem habe ich gerade mal 7 mm am Oberkopf übriggelassen, doch den Hinterkopf habe ich ihr bis zum Atlasknochen hinauf vollständig glatt rasiert. Während ich das Mädchen erlöste, flüsterte sie mir zu, dass die beiden anderen Mädchen vielleicht bald Partnerlook mit ihr haben würden. Ich glaube, da wir können uns auf eine lebhafte Woche einrichten.“ 

Das gezeigte Selbstbewusstsein der Zwillinge hinderte die vorbeigehenden Menschen daran, Brigitte und Brunhilde entweder negativ oder positiv anzusprechen. Als die beiden dann in ihrem Elternhaus den von Janine ausgehändigten Zeitungsbericht an ihre Mutter übergaben, sahen die Zwillinge eine leicht hochgezogene Augenbraue ihrer Mutter. Wie die Zwillinge nur zu gut wussten, hatte diese Gestik in der Vergangenheit niemals etwas Gutes bedeutet. Das Abendessen dauerte für die beiden nicht lange und danach baten sie ihre Eltern um eine Unterredung.

Es waren jedoch nicht die Zwillinge, welche begannen, sondern deren Mutter sagte: „Ich hatte eigentlich gehofft, nie wieder daran erinnert zu werden, aber irgendwann holt einen die Vergangenheit doch ein. Aber um das zu verstehen, solltet Ihr den Artikel ebenfalls lesen, meine lieben Töchter.“ Diese taten es und je weiter die Zwillinge mit dem Text kamen, desto offener wurden ihre Münder. 

Brigitte war die erste, welche ihre Sprache wiederfand, denn sie fragte: „Mama, warst du etwa an diesem Zopfwettbewerb beteiligt?“ Veronicas Reaktion kam ohne Vorwarnung, denn sie erwiderte: „Beteiligt ist man an einem Wettbewerb, wenn man diesen gern hat, doch für mich war dieser ab der Einschulung die reinste Höllenqual, da ich einen sehr langen Schulweg hatte. Wenn ich in den Ferien fragte, ob ich mit meinem Bruder draußen spielen dürfe, wurde ich angesehen, als hätte ich jemanden umgebracht und kurze Zeit später brannten meine linke und rechte Wange. Diese Züchtigung wurde grundsätzlich vom Vater ausgeführt.

Als ich dann 12 Jahre alt war, verschwand mein Vater aus meinem Leben, und unsere Mutter sagte zu uns, dass er gestorben wäre. Dieses nahm ich als Tatsache hin, und dabei ist es bis heute geblieben.

Dann kam ein wunderschönes Wochenende im April 1970, denn da hat ein Mädchen aus Niedersachsen durch das Statuieren eines Exempels diesen Wettbewerb für alle Zeit beendet. Von diesem Tag an war das Leben für uns Mädchen in dem Ort ein völlig anderes.

Auch mir wurde am gleichen Tag noch der Zopf abgeschnitten. Allerdings musste ich dafür in den Salon gehen, übrigens zum allerersten Mal. Dort habe ich den alten Friseur darum gebeten, dass er mir den Zopf direkt im Nacken abschneiden sollte, was der alte Friseur dann auch tat. Doch meine Bitte, mir die Haare noch kürzer zu schneiden, lehnte er kategorisch ab. Er glich den Nacken noch an, dann war mein Besuch dort zu Ende.“

Brunhilde fragte: „Warum bist du vorher nicht dort im Salon gewesen? Was war der Grund dafür?“ Veronica erklärte: „Es war den Teilnehmerinnen an dem Wettbewerb unter Strafe verboten, den Salon zu betreten, geschweige denn in seine Nähe zu kommen. Wer auf dem Schulweg daran vorbei musste, der musste vorher die Straßenseite wechseln, als ob es sich um ein Sperrgebiet handelte.

Doch weiter mit meiner Erzählung. Wie Ihr Euch denken könnt, sehnte ich mich sehr danach, endlich kurze Haare zu haben. Doch nach jenem denkwürdigen Tag war es nur jenen Mädchen erlaubt, den Salon aufzusuchen, welche immer noch den Zopf trugen. Alle anderen mussten das Verbot befolgen, welches immer noch in Kraft war.

Dann, ungefähr 3 Monate später, kam dieses Mädchen wieder und verkündete uns, den Schülern der Schule, am letzten Schultag, dass es der weiblichen Bevölkerung erlaubt sei, zu Beginn des neuen Schuljahres den Salon so oft zu besuchen, wie die Frauen und Mädchen dies wünschten. Das Salon-Verbot würde, da sie in absehbarer Zeit die Leitung des Salons übernehmen würde, nicht mehr aufrechtzuerhalten sein und wäre ab diesem Zeitpunkt somit außer Kraft gesetzt. Alle im Ort waren froh darüber, endlich wieder einmal vernünftige Haarpflege in Anspruch nehmen zu dürfen.

Außerdem verkündete dieses Mädchen, dass am kommenden Montag eine Sonderaktion stattfinden würde, an der sich alle langhaarigen Mädchen beteiligen könnten, wenn diese es wollten. Das hieß für mich natürlich, dass ich daran nicht teilnehmen konnte.

Nach Ende der Schulferien habe ich meine Mutter inständig darum gebeten, dass ich mir die Haare wirklich kurz schneiden durfte. Ich hatte nämlich gesehen, dass einige Mädchen im Ort, darunter auch einige 8- oder 9-Jährige, sich superkurze Haare hatten verpassen lassen. Doch meine Mutter blieb hart und unerbittlich.

Sie sagte zu mir, ich zitiere >Wenn du dir mehr als die Spitzen abschneiden lässt, wird meine Rache fürchterlich sein.< Ich ahnte dunkel, dass sie an jene Bestrafung dachte, welche jenen widerfahren war, die das Salonverbot missachtet hatten. Ich persönlich habe kein solches Opfer gesehen, doch die Erzählungen dessen waren schrecklich. Das wollte ich mir dann doch nicht antun.“

Brigitte fragte dazwischen: „Mama, was hatte es mit diesem Wettbewerb auf sich und warum diese drastischen Verbote und Strafen?“ Veronica wehrte ab: „Darüber werde ich mit Euch nicht sprechen, dafür sitzt es zu tief. Vielleicht, irgendwann einmal, werde ich Euch davon erzählen, doch nicht jetzt und vor allem nicht heute. Bitte habt Verständnis dafür.“

Die Zwillinge nickten und Veronica fuhr mit ihrer Erzählung fort: „Nun, so lebte ich also das nächste Jahr damit, dass ich etwa alle 6 Wochen, meist in Begleitung meiner Mutter, in den Salon ging und mir die Haare schneiden ließ. Doch ich habe meinen Traum niemals aufgegeben. Ich wollte und ich würde eines Tages kurze Haare haben, das wusste ich damals schon. Dass sich mein Traum schon bald erfüllen sollte, wusste ich damals freilich noch nicht.

Vielleicht war es Zufall, vielleicht auch Eingebung, doch am Wochenende vor jenem Montag, an welchem die Aktion stattfand, weswegen der Zeitungsartikel geschrieben worden ist, fragte ich meine Mutter so ganz beiläufig, ob sie etwas dagegen habe, dass ich mir die Haare jetzt superkurz schneiden lassen würde. Ihre Antwort war, ich zitiere erneut: >Mein liebes Kind, es sind deine Haare. Mir ist egal, wie du aussiehst, denn schließlich musst du damit glücklich werden. Ich habe es dir damals nur deshalb verboten, damit du deine Haare wieder regenerieren lassen kannst. Ehrlich gesagt war ich niemals von dem Wettbewerb begeistert, doch es war Tradition und wir konnten uns nicht dagegen wehren.<

Das war ein überraschende Aussage meiner Mutter, doch ich war froh, dass sie mir nebenbei erklärt hatte, warum ich es damals nicht durfte. Da wir an jenem Montag, der erste im neuen Schuljahr, keine Hausaufgaben zu machen hatten, war mir langweilig und so schlenderte ich langsam durch den Ort. Plötzlich, ohne dass ich es geplant hatte, stand ich vor dem Salon.

Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die Eingangstür offen war. Das war eigentlich ungewöhnlich, da es Montag war und der Salon normalerweise geschlossen ist. Einer Eingebung folgend prüfte ich, ob ich Geld dabei hatte. Da dies der Fall war, betrat ich den Salon und fragte höflich, ob es möglich wäre, mir die Haare schneiden zu lassen. Das Mädchen hinter dem Tresen sagte mir, dass ich im Wartebereich Platz nehmen sollte, bis mich jemand holen würde.

Es dauerte nicht lange, dann wurde ich von der Frau des damaligen Bürgermeisters bedient. Mein Wunsch des Haarschnitts, ein Stiftenkopf, schien dort Niemanden zu verwundern und je mehr Haare fielen, desto fröhlicher wurde ich. Am Ende wollte ich noch bezahlen, doch man sagte mir, das wäre schon in Ordnung. Dieser war übrigens der einzige Haarschnitt, für den ich nicht bezahlen musste. Doch warum, das weiß ich bis heute nicht. Allerdings habe ich den Haarschnitt nur bis Weihnachten beibehalten.

Später habe ich dann erfahren, dass ich unabsichtlich ein Teil der Stiftenkopf-Aktion war, welche im Zeitungsartikel beschrieben ist. Und nun hätte ich gerne gewusst, was Ihr für Eure Stiftenköpfe bezahlt habt?“ „15 DM“, war die gleichzeitige Antwort der Zwillinge.

Veronica fragte: „Aber jetzt zurück zum eigentlichen Thema. Weswegen habt Ihr uns um eine Unterredung gebeten?“  Brigitte sprach: „Liebe Eltern, wir haben unsere Mitschülerin Ute Brunnhuber in den letzten Jahren ausgegrenzt und gehänselt. Wir haben einen Großteil unseres Taschengeldes dafür verwendet, um Unterstützung von anderen für diese Sache zu gewinnen. Und letzte Woche haben wir Etwas getan, das es Ute nahezu unmöglich macht, uns die Hand zur Versöhnung zu reichen.

Wir haben ihr einen Zettel zugesteckt, auf welchem stand, ich zitiere: >Wie kannst du nur die Tochter des Konrektors um Hilfe bitten? Dafür werden wir dich ewig hassen.< Das Wort ‚hassen‘ haben wir dreimal Rot unterstrichen und es war mit einem Totenkopfsymbol versehen.

Wir hatten geglaubt, dass Ute Doris Gollwitzer, die Tochter des Konrektors, darum gebeten hatte, ihrem Vater über unsere Aktivitäten zu berichten. Aus diesem Grund befürchteten wir, dass die nächste Klasse für uns die Hölle auf Erden sein würde.

Heute Mittag haben wir Ute gesehen, und da war ihre lange Mähne fast vollständig weg. Und kurz danach wurde sie von Udo, einem unserer Klassenkameraden, angesprochen.“

Brunhilde fuhr mit der Erklärung fort: „Während unserer heutigen Behandlung bin ich zu der Überzeugung gelangt, das ich alles in meiner Macht Stehende tun werde, um Ute dazu zu bringen, uns die Hand zur Versöhnung zu reichen.“ Brigitte fügte hinzu: „Dem kann ich mich nur anschließen. Und ich würde sogar so weit gehen, mir dafür jenen Haarschnitt verpassen lassen, welchen mir Herr Haberkorn heute beschrieben hat.“

Veronica fragte vorsichtig: „Wie soll dieser aussehen?“ Brigitte erklärte: „Er hat uns gesagt, dass dieser Haarschnitt High & Tight heißt und nur am Oberkopf 3 mm kurze Haare übrig lässt. Alles andere würde mit dem Rasiermesser vollkommen glattrasiert werden.“

Nun mischte sich Alexander, deren Vater, ein: „Meine lieben Töchter, Ihr könnt froh sein, dass Ihr noch nicht strafmündig seid, denn ein Totenkopfsymbol auf einer Mitteilung kann als Morddrohung ausgelegt werden. Und ich kann für Euch nur hoffen, dass alles im Sande verläuft und im Guten ausgeht. Darf ich Euch höflichst fragen, wie lange diese Hänselei schon andauert und aus welchem Grund Ihr damit angefangen habt?“

Die Zwillinge sahen sich an, dann sagte Brunhilde: „Warum wir damit anfingen, weiß ich wirklich nicht mehr. Ich kann nur sagen, dass es schon seit mehreren Jahren der Fall ist.“

Alexander überlegte kurz, dann sagte er mit eindringlicher Stimme: „Ihr beiden solltet jetzt sehr, sehr gut zuhören. Mir ist egal, wie Ihr es fertig bringt, doch ich möchte, dass Ihr alles Mögliche versucht, Euch mit Ute zu versöhnen. Ihr habt dafür bis zum Ende des Schuljahres Zeit.“

Brigitte fragte: „Warum solange Zeit? Warum nicht gleich und sofort?“ Alexander lachte hell auf und antwortete: „Nun, wenn Ihr sagt, dass die Hänselei schon über Jahre andauert, kann ich mir nicht vorstellen, dass Ute es zulässt, dass Ihr Euch auf die Schnelle mit ihr versöhnt. Stellt Euch also darauf ein, dass Ute Eure Annäherungsversuche in nächster Zeit zurückweisen wird. Geht es langsam an. Schritt für Schritt, dann kommt Ihr auch an das Ziel.“

Brunhilde fragte, mit etwas kleinlauter Stimme: „Wäre es nicht angebracht, uns zumindest auch bei Doris zu entschuldigen? Immerhin haben wir sie, wenn auch nicht namentlich, auch in der Notiz erwähnt. Daher denke ich, dass wir – “ Doch Alexander fiel ihr ins Wort: „Da kommt Ihr leider zu spät, denn die Gollwitzers sind bereits in dem Ort, wo der Herr Gollwitzer nach den Sommerferien die Grundschule als Direktor übernimmt, um den in Pension gehenden Vorgänger abzulösen.“

Brunhilde fragte nach: „Und wo ist das? Vielleicht könnten wir es in einem Brief erklären.“ Alexander schüttelte den Kopf: „Nein, das geht in diesem Fall nicht. Ihr müsstet es schon persönlich tun, doch der neue Wohnort der Familie ist ziemlich weit weg, sodass Ihr nicht mal eben dorthin fahren könnt. Außerdem werde ich Euch nicht mitteilen, wo die Gollwitzers jetzt wohnen. Konzentriert Euch auf Ute und lasst die Geschichte mit Doris ruhen. Außerdem wäre es völlig verkehrt, wenn Doris nichts über die Sache weiß, das Mädchen in die Sache hineinzuziehen.“

Die Zwillinge nickten verständnisvoll und Alexander fuhr fort: „Ihr beide werdet morgen früh durch unseren Fahrer zum Elternhaus von Ute gebracht. Dort werdet Ihr versuchen, Euch bei Ute zu entschuldigen. Außerdem werdet Ihr Ute mitteilen, dass sie von unserem Fahrer zu unserem Haus gebracht wird. Ob Ihr dabei mitfahren dürft, hängt von Eurem Erfolg ab. Da ich jedoch nicht davon ausgehe, dass Ihr Euch so schnell aussöhnen könnt, werdet Ihr den Rückweg zu Fuß gehen, um darüber nachzudenken, was Ihr getan habt und was Ihr tun könnt, um dieses wieder in Ordnung zu bringen. Habt Ihr mich verstanden, meine Töchter?“

Die Zwillinge nickten erneut und Alexander fragte dann: „Habt Ihr uns noch etwas zu sagen?“ Brigitte erwiderte: „Ja. Wir sind am Montag, dem 5. September, um 14:00 Uhr von Frau Haberkorn zu einem Sonder-Servicetag eingeladen worden, falls wir unseren derzeitigen Haarschnitt beibehalten wollen. Aus diesem Grund bitten wir dich darum, Mama, dass du uns dorthin begleitest, da wir nicht sicher sind, ob wir den Auftrag für einen bestimmtem Haarschnitt erteilen können. Außerdem befindet dieser sich außerhalb dessen, was Ihr uns erlaubt habt. Darüber hinaus werden wir morgen höchstwahrscheinlich einen weiteren Vorschlag machen.“ Veronica versprach, die Zwillinge am besagten Termin begleiten zu wollen.


Danach gingen die beiden Mädchen ins Bett, um für die morgigen Aufgaben gut gerüstet zu sein.

Veronica und Alexander saßen noch eine Weile beieinander und Veronica sagte: „Schatz, da unsere Zwillinge sich so radikal von ihren Mähnen getrennt haben, wollte ich wissen, ob du das auch bei deiner Frau tolerieren kannst. Es würde zwar nicht ganz so kurz wie bei den beiden werden, denn ich werde Janine fragen, was sie bei mir vorschlägt, doch auch ich möchte eine Kurzhaarfrisur haben.“

Darauf antwortete er: „Schatz, auch ich denke, dass es an der Zeit für einen Neubeginn ist. Ich werde den ganzen morgigen Tag im Haus bleiben. Ich kann und will dir nicht vorschreiben, wie du auszusehen hast. Ich werde zwar deine langen rotblonden Haare vermissen, aber es wird auch schön sein, einen total entblößten Nacken zu küssen.“

Dann beschlossen auch die Eltern, ins Bett gehen zu wollen. 

Mittwoch 03. August 1994 

Wegen der Aufregung vor dem Kommenden erwachten die Zwillinge am nächsten Morgen schon kurz vor 06:00 Uhr. Da sie zum Weiterzuschlafen keine Lust mehr hatten, machten die Zwillinge sich fertig, um in der Küche ihr Frühstück einzunehmen, wo auch schon ihre Eltern anwesend waren.

Alexander teilte den Zwillingen mit: „Ich werde heute im Haus bleiben, während Eure Mutter den Zeitungsartikel zurückbringen und sich von Frau Haberkorn die Haare schneiden lassen wird. Denkt daran, was ich Euch gestern gesagt habe.“ Die Zwillinge nickten und frühstückten jetzt ebenfalls.

Doch was weder Alexander noch die Mädchen wussten war, dass Veronica am vergangenen Samstag bereits einen Termin im Salon vereinbart hatte. Veronica wusste zwar schon, wie sie aussehen wollte, war sich nicht aber dessen noch nicht endgültig sicher. Daher würde Veronica sich von Janine beraten lassen und sich erst dann endgültig entscheiden, wie die neue Frisur aussehen sollte.

Kaum waren die Zwillinge mit dem Frühstück fertig, sagte Brunhilde: „Also, wir werden versuchen, heute Morgen mit Ute zu sprechen. Auch werden wir unsere Klassenkameradin von unserem Fahrer hierher bringen lassen. Den Rest werdet Ihr dann sehen. Papa, könntest du bitte mit Ute sprechen und in Erfahrung bringen, wie viel Taschengeld Ute zur Verfügung steht? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie genauso viel wie wir bekommt.

Nach unserer Rückkehr werden wir Euch einen Vorschlag machen, welchem Ihr entweder zustimmen oder diesen ablehnen könnt. Außerdem wollen wir den Stiftenkopf solange beibehalten, bis uns der Sprung an eine höhere Schule ohne Übertritts-Prüfung gelungen ist. Dies bedeutet, dass wir im Zwischenzeugnis der 6. Klassenstufe in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch mindestens einen Durchschnitt von 2,66 haben müssen.“

Alexander sagte: „Meine lieben Töchter, das ist ein sehr hochgestecktes Ziel, doch für die Erreichung dessen könnt Ihr mit unserer vollen Unterstützung rechnen.“

Gegen 09.00 Uhr machten sich die Zwillinge bereit, das Haus verlassen zu wollen. Da er in seinem Büro einen Kopierer stehen hatte, hatte Alexander mehrere Kopien des Zeitungsartikels gemacht, wovon er eine an die Zwillinge aushändigte. Veronica hatte das Haus bereits verlassen, als die Zwillinge zu ihrem schwierigen Auftrag aufbrachen. 

Der Fahrer war über die Pläne genauestens unterrichtet worden und so setzte er die Zwillinge zunächst am Brunnhuber-Haus ab. Dort war nur Ute bereits fertig, doch der Vater und der Bruder würden etwas später aufstehen, da es ja Ferien waren.

Ute fiel aus allen Wolken, als es an der Haustür klingelte.>Wer ist das nun wieder?<, fragte sie sich, als Ute zur Haustür ging, um diese zu öffnen. Das Klingeln war auch von den anderen Familienmitgliedern gehört worden, daher machten sich die beiden schnell bereit, um ins Wohnzimmer zu gehen.

Wegen der aufgesetzten Baseballkappen konnte Ute nicht sofort erkennen, dass die tizianroten Mähnen der (nicht eineiigen) Zwillinge auf 6 mm abgeschoren worden waren. „Was wollt Ihr beide denn hier? Ich habe Euch nicht eingeladen“, fragte Ute. Sie war schon im Begriff, die Haustür verärgert wieder zu werfen zu wollen, da sagte Brigitte, nachdem sie tief Luft geholt hatte: „Wir sind gekommen, um dich in aller Form um Entschuldigung für das zu bitten, was wir dir in der Vergangenheit angetan haben, einschließlich des zugesteckten Zettels mit der Totenkopfnachricht.“

Ute dachte kurz nach und erwiderte: „Aha, also Ihr wart das. Na, dann kommt bitte mit ins Wohnzimmer, dort lässt es sich leichter reden. Außerdem sollte man so etwas nicht zwischen Tür und Angel besprechen.“ Sie öffnete die Haustür weit, um die Zwillinge eintreten zu lassen. Nachdem Ute die Haustür geschlossen hatte, ging sie hinter den Zwillingen her, um gemeinsam ins Wohnzimmer zu gehen. Erst jetzt erkannte Ute, dass auch die Zwillinge keine langen Haare mehr hatten, daher fragte sie: „Was habt Ihr mit Euren schönen tizianroten Mähnen gemacht?“

Brunhilde erklärte: „Als wir dich auf deinem Nachhauseweg sahen, beschlossen wir, dass wir uns ebenfalls unsere Mähnen abschneiden lassen würden. Zuerst wollten wir Partnerlook mit dir machen, aber die Erklärung unserer Eltern erlaubte eine maximale Kürze von 6 mm. Das haben wir dann von Herrn Haberkorn machen lassen, da im Damenbereich noch 3 Mädchen saßen und der Herrenbereich leer war.

Außerdem haben wir beschlossen, dass wir unsere Stiftenköpfe so lange tragen werden, bis uns aufgrund unserer schulischen Leistungen der Übertritt auf eine höhere Schule ohne Übertritts-Prüfung gelingt. Dann haben wir dir noch einen Zeitungsartikel auszuhändigen, von dem wir nicht wissen, ob du ihn schon kennst oder nicht.“ Ute erwiderte: „ Das ist auch mein Ziel, doch wegen Englisch wird es für mich sehr schwer werden.“

Als die Mädchen dann das Wohnzimmer betraten, pfiff Stefan anerkennend. Der Vater leistete sich einen Fauxpas, als er fragte: „Diese beiden Mädchen sind wohl für den vernichteten Zettel verantwortlich, nehme ich an?“ Ute wurde so rot wie eine reife Tomate und erwiderte: „Das wollte ich eigentlich erst am Ende unserer Unterhaltung zur Sprache bringen. Denn wenn ich den Zettel dem Herrn Direktor gegeben hätte, wäre wahrscheinlich die Polizei eingeschaltet worden.

Brigitte und Brunhilde hatten Ute inzwischen den Zeitungsartikel ausgehändigt, und nachdem sie diesen gelesen hatte, übergab Ute ihrem Vater den Zeitungsartikel. Nachdem auch er diesen gelesen hatte, stand dessen Mund weit offen. Sein einziger Kommentar war „unglaublich“.

Brunhilde sagte: „Unsere Mutter Veronica hat die Richtigkeit dieses Artikels bestätigt. Und wenn du Udo das nächste Mal siehst, wirst du sehr überrascht sein, denn er macht jetzt Partnerlook mit deinem Bruder. Auch seine Freunde haben den gleichen Haarschnitt bekommen, und alle schienen sehr froh damit zu sein. Außerdem haben wir unseren Eltern gesagt, dass wir, um uns mit dir zu versöhnen, sogar bereit sind, uns einen klassischen H &T scheren und rasieren zu lassen. Das ist jener Haarschnitt, welchen Doris vor 1 Woche bekommen hatte.“

Nun war es Ute, welche Freudentränen in den Augen hatte, als sie sagte: „Verziehen hatte ich Euch schon, als ich den Zettel vernichtet hatte. Doch Um den Schock zu überwinden, brauchte es einige Tage mehr. Das angebotene Opfer werde ich nicht von Euch verlangen, da ich spüre, dass Ihr es sowieso vorhabt. Haben Euch Tante Janine und Onkel Josef schon vertraulich angesprochen oder nicht?“

Brigitte schüttelte den Kopf: „Nein, haben sie nicht, aber Frau Haberkorn hat uns am Montag, den 5. Sept. um 14:00 Uhr zu einem Sonder-Servicetag eingeladen. An jenem Tag wollen wir uns den beschriebenen Haarschnitt verpassen lassen. Vielleicht folgen viele andere Mädchen unserem Beispiel, obwohl ich das eher nicht glaube. Jetzt bist du wieder dran, Schwesterherz.“

Brunhilde seufzte: „Ja, danke, aber mir bleibt wieder das Schwerste übrig. Also, Ute, wir haben unserem Vater versprochen, dass wir dich zu unserem Haus schicken werden. Du wirst von unserem Fahrer, welcher vor Eurem Haus wartet, zu unserem Elternhaus gebracht, wo dich unser Vater begrüßen wird.“

Ute fragte neugierig: „Und was soll ich dort? Wozu der ganze Aufwand?“ Brunhilde antwortete: „Unser Vater möchte sich mit dir unterhalten und dich etwas fragen. Antworte bitte auf alle seine Fragen wahrheitsgemäß. Beschönige nichts, übertreibe nicht und bleibe bei den Fakten. Alles Weitere wirst du erfahren, wenn wir ebenfalls zuhause sind.“

Ute fragte: „Wie, Ihr fahrt nicht mit?“  Brigitte erwiderte: „Nein, tun wir nicht. Wir lassen unsere Eltern in dem Glauben, dass wir uns noch nicht versöhnt haben. Das wird die Wirkung dessen, was wir vorhaben, noch intensivieren und überraschender machen. Mehr sage ich aber jetzt nicht. Bist du bereit, um zu unserem Elternhaus gebracht zu werden?“

Ute sah zur Wanduhr und meinte: „Nun ja, wenn es nicht zu lange dauert. Um 11:00 Uhr habe ich eine Verabredung, welche ich auf keinen Fall versäumen möchte.“ Brigitte entgegnete: „Nun, wenn es wirklich eng werden sollte, könnte unser Fahrer dich dorthin fahren. Also, bist du bereit für das, was wir vorhaben? Wirst du dich jetzt zu unserem Elternhaus fahren lassen?“

Ute nickte und Brunhilde sagte: „Okay, dann sehen wir uns in gut 20 Minuten.“ Ute zog sich Jacke und Schuhe an, dann verließen die 3 Mädchen das Haus der Brunnhubers. 

Zur gleichen Zeit, als die Zwillinge Ute aufsuchten, öffnete Josef kurz vor 09:00 Uhr seinen Salon. Davor standen einige Schulkinder sowie auch eine Frau, und alle warteten darauf, eingelassen und bedient zu werden. Die Kinder gingen in die jeweiligen Bereiche, um ihre Haarschnitte zu bekommen.

Josef wunderte sich jedoch über ein Mädchen mit sehr langen dunkelbraunen Haaren, welches sich in den Herrenbereich gesetzt hatte. Auf die Frage von Josef, was sie denn vorhabe, antwortete das Mädchen: „Bitte, bedienen Sie erst diese Jungen hier. Ich kann warten. Ich habe viel Zeit.“ Josef zuckte die Schultern und bat den ersten der Jungen, in seinem Bedienstuhl Platz zu nehmen. 

Während Josef sich an dem Jungen zu schaffen machte, hatte im Damenbereich Janine die Frau auf den Bedienstuhl gebeten. Nachdem Janine sich vorgestellt und die Kundin gefragt hatte, wie diese denn angesprochen werden wollte, sagte die Frau: „Nenn mich Vroni.“ Janine wunderte sich und fragte: „Kennen wir uns?“

Statt einer Antwort zog Veronica den Zeitungsartikel heraus und übergab diesen an Janine mit den Worten: „Es ist manchmal nicht leicht, von der Vergangenheit eingeholt zu werden.“ Janine überlegte und fragte: „Waren Sie damals an dieser Aktion beteiligt?“ Veronica nickte: „Ja, wenn auch eher unbeabsichtigt. Ich gehörte nicht zu den Schulkindern, um welche es in dem Artikel geht. Ich bin damals zufällig im Salon gewesen, und dennoch habe ich den gleichen Haarschnitt bekommen.“ Janine fragte: „Und, waren Sie damit nicht zufrieden?“ Veronica erwiderte: „Doch, war ich. Nur habe ich mich darüber gewundert, dass ich für den Haarschnitt nichts bezahlen musste. Können Sie mir erklären, warum?“ Janine antwortete: „Nun ja, Doreen wollte damit wenigstens einen Teil dessen zurückgeben, was die Gemeinde bei der Mehrfachhochzeit auf die Beine gestellt hatte. Übrigens denke ich, dass wir uns Duzen sollten, meinst du nicht? Schließlich vermute ich, dass wir uns damals ebenfalls kennengelernt haben, oder?“

Veronica erwiderte: „Nein, haben wir nicht. Soweit ich mich erinnere, hast du damals nur jene Kunden bedient, welche sich eine Farbveränderung wünschten. Dennoch stimme ich zu, dass wir uns Duzen.“ Janine nickte verständnisvoll, dann zeigte Veronica auf den Artikel und fragte: „Können wir unter vier Augen über meine Töchter sprechen?“

Janine nickte und ging mit Veronica in den Aufenthaltsraum. Dort sagte Veronica: „Zunächst einmal vielen Dank, dass Ihr die zweite Erklärung nicht verwendet habt. Und mein heutiger Haarschnitt wird die freiwillige Strafe für mein Versagen sein, aus meinen Töchtern keine verantwortungsbewussten Menschen gemacht zu haben. Die 6-mm- Einschränkung könnt Ihr als gegenstandslos ansehen, doch hätte ich gerne gewusst, wer am 05. September alles dabei ist?“

Nachdem Janine die zu jenem Zeitpunkt bekannten teilnehmenden Personen mitgeteilt hatte, fragte sie: „Vroni, ist dir der Inhalt eines bestimmten vernichteten Zettels bekannt?“ Es war sehr gut, dass sich die beiden nicht im Bedienbereich befanden, denn Veronica wurde so rot wie eine reife Tomate und konnte nur nicken, dann schluckte sie und antwortete: „Ja, meine Töchter haben es uns gestern Abend gebeichtet. Wir jedoch wussten es schon seit 1 ganzer Woche, da Udo, ein Klassenkamerad der Mädchen, gesehen hatte, dass Ute von Brigitte einen Zettel zugesteckt bekommen hatte. In der darauffolgenden Pause hat er sich hinter sie gestellt und so den gesamten Inhalt mitbekommen. Udo ist zu uns gekommen und hat es uns geradeheraus mitgeteilt.“

Janine fragte: „Und, wie habt Ihr es aufgenommen und reagiert?“ Veronica antwortete: „Wir waren sehr schockiert, dass ausgerechnet unsere Töchter sich so verhalten mussten. Ich hoffe sehr, dass die beiden inzwischen mit ihrem Tun aufgehört haben. Dennoch hat mein Mann Alexander den Mädchen einen Zeitraum bis zum Schuljahresende eingeräumt, um die Freundschaft zu Ute wieder aufzubauen. Ob die beiden es tatsächlich schaffen, das wieder gerade zu rücken, bleibt abzuwarten. Doch, woher weißt du von der Sache? Wer hat es dir verraten?“

Janine erwiderte: „Meine Nichte Ute hat uns gestern zwar den Inhalt des Zettels mitgeteilt, aber keinerlei Namen genannt. Vielleicht hat sie geahnt, wer es war, doch Ute hat nichts in der Richtung verlauten lassen. Auch wir waren sehr schockiert, als wir von der Sache erfuhren. Einen Zettel mit einem Totenkopfsymbol zu markieren ist schon ein starkes Stück, findest du nicht? Allerdings wissen wir schon heute, welchen Haarschnitt deine Töchter am 05. September bekommen werden.“

Veronica empörte sich: „Janine, die Bestrafung unserer Töchter ist unsere Sache, nicht Eure, verstanden?“ Janine nickte: „Aber selbstverständlich. Ich habe auch in keinster Weise von einer Bestrafung gesprochen. Ich habe lediglich angedeutet, welchen Wunsch deine Töchter gegenüber Josef geäußert haben.“

Veronica entgegnete: „Alexander und ich haben auch schon darüber gesprochen, wie eine Bestrafung unserer Zwillinge aussehen könnte. Wenn die beiden es nicht schaffen, die Freundschaft zu Ute wiederaufzubauen, dann werden wir die Zwillinge vor die Wahl stellen. Entweder ein Stiftenkopf für die Dauer der Schulzeit oder aber Dauerstubenarrest mit Einschränkung der Fernseh-Zeiten.“

Janine keuchte und fragte: „Das wollt Ihr wirklich durchziehen? Ist das nicht ein bisschen hart? Ich meine, Bestrafung muss sein, aber gleich so hart?“ Veronica erwiderte: „Nun, es ginge natürlich noch härter. Aber, wenn ich die Andeutung meiner Mädchen gestern Abend richtig verstanden habe, dann planen die beiden tatsächlich ihre eigene Bestrafung. Offensichtlich sind unsere Zwillinge zu dem Schluss gekommen, dass deren Verhalten jenseits dessen war, was man einem Menschen zumuten kann. Übrigens sind die beiden gerade dabei, den ersten Kontakt mit Ute herzustellen. Und wenn ich nachher zurück bin, wird in unserem Haus eine Aussprache zwischen den Mädchen stattfinden. So, und jetzt sollten wir endlich mit meiner Behandlung beginnen, meinst du nicht?“

Janine nickte und die beiden Frauen wechselten wieder in den Damenbereich. Nachdem Veronica auf dem Bedienstuhl Platz genommen hatte, fragte Janine: „Vroni, darf es Orange, Rot oder Grün sein?“ Veronica entschied sich für einen roten Umhang. Janine holte diesen vom Haken, bereitete ihre Kundin fachgerecht vor und fragte dann: „Also, Vroni, was hast du dir vorgestellt?“

Veronica antwortete: „Nun, da ich mich irgendwie für das Fehlverhalten meiner Mädchen verantwortlich fühle, will ich mich mit diesem Haarschnitt ein wenig auch selbst bestrafen. Daher wünsche ich mir, dass du mir einen Stiftenkopf verpasst. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie dieser aussehen soll.“

Janine schluckte, besah sich das schöne lange Haar und sagte dann: „Eigentlich ist es eine Schande, so schönes Haar ohne größere Not abzuschneiden, aber du hast einen klaren Wunsch geäußert und ich bin verpflichtet, diesen umzusetzen.“ Nach einer kurzen Pause fuhr Janine fort: „Also, da du erstens kein kleines Mädchen mehr und zweitens die Frau eines Geschäftsmannes bist, scheidet der Haarschnitt, welchen deine Töchter bekommen haben, komplett aus. Ich würde dir einen schönen femininen Stiftenkopf empfehlen, welcher im Gesamtbild nicht ganz so hart wie ein klassischer Stiftenkopf ist.“

Veronica nickte und fragte. „Und welcher Längen schlägst du vor?“ Janine antwortete: „Nun, ich denke, 13 mm Länge am Oberkopf und der Rest auf 10 mm geschoren, das sollte ausreichen. Anschließend werde ich alles mit der Schere nachbearbeiten und fransig anschneiden. Wie hört sich das für dich an?“

Veronica nickte und Janine fragte: „Willst du deine Haare mitnehmen oder soll ich diese entsorgen?“ Veronica antwortete: „Du kannst die langen Haare behalten, wenn du möchtest. Ich jedoch habe keine Verwendung dafür.“ Janine fragte: „Erlaubst du mir, dass ich dir einen Zopf flechte und diesen dann abschneide?“ Veronica nickte und Janine machte sich an die Flechtarbeit. Nach ca. 10 Minuten war Veronica ihr langes Haar los und Janine konnte mit der Scherarbeit beginnen.

Zuerst reduzierte sie den gesamten Schopf auf eine Länge von 13 mm, dann schor sie die Seiten und den Hinterkopf auf 10 mm. Nach kurzer Zeit war Janine fertig, sodass sie Veronica die neue Frisur mit dem Handspiegel zeigen konnte. Janine fragte: „Und Vroni, wie gefällst du dir?“ Veronica begutachtete das Gesamtbild und sagte dann, ein wenig schüchtern: „Gewöhnungsbedürftig, aber ansonsten wunderschön. Du hast gute Arbeit geleistet. Vielen Dank, Janine.“ Während Janine nun an ihrer Kundin die Abschlussarbeiten durchführte und diese dann erlöste, sagte sie: „Gern geschehen. Wichtig ist, dass es dir selbst gefällt.“

An der Kasse sagte Vroni: „Übrigens, Alexander hat von dem Zeitungsartikel einige Kopien gemacht. Außerdem bin ich schon sehr gespannt, wie meine Töchter und mein Mann auf meine neue Frisur reagieren werden.“ Janine erwiderte: „Nun ja, das kann ich dir auch nicht im Voraus sagen. Aber wenn du deine Frisur etwas aufpeppen willst, kannst du etwas Haargel einarbeiten und die Haare locker in Form zupfen, nicht kämmen.“

Nachdem Veronica 30 DM an Janine übergeben und gesagt hatte, dass sie in 14 Tagen wiederkommen würde, verabschiedete Veronica sich und ging nach Hause, wo sie noch vor ihren Töchtern eintraf. 

Unterdessen hatte Josef im Herrenbereich die Jungen allesamt bedient und bat nun die letzte verbliebende Kundin auf den Bedienstuhl. Das Mädchen, welches dunkelbraune Haare hatte, stellte sich als Carola vor und erklärte: „Ich habe mich in Ihren Bereich gesetzt, weil Annegret mir diesen Tipp gegeben hat. Außerdem möchte ich unbedingt deren Haarschnitt haben.“ Mit diesen Worten zog das Mädchen einen Zettel hervor, welchen sie an Josef übergab. Er las den Zettel, und da die Erklärung der Eltern keine Einschränkungen aufwies, setzte er den Wunsch des Mädchens (Oberkopf auf 4,5 mm, Hinterkopf und Seiten auf 0,3 mm) ohne zu Zögern in die Tat um. Josef bemerkte, dass Carola diesen Haarschnitt so richtig genoss, daher arbeitete er gemächlich, aber nicht nachlässig, und so genossen beide, Friseur und Kundin, diesen Haarschnitt.

An der Kasse sagte Carola zu Josef, dass sie eine spät geborene Tochter des Schuldirektors sei, die Konsequenzen aber selbst auskämpfen würde, nachdem ihr Wunschtraum endlich in Erfüllung gegangen sei.

Da Carola genügend Geld dabei hatte, kaufte sie sich das Haargel und auch eine Sonnenschutzmilch. Angetan von so viel Courage sagte Josef zu ihr: „Ich bewundere deinen Mut, diese Frisur zu tragen. Hiermit lade ich dich herzlich ein, zu einem Sonder-Servicetag am Montag, den 5. September, um 14:00 Uhr zu kommen. Allerdings solltest du erst deine Eltern fragen, ob du auch teilnehmen darfst.“ Carola fragte: „Und wenn ich nicht darf?“ Josef lächelte: „Absagen können auch kurzfristig erfolgen.“ Carola nickte und verließ lächelnd den Salon. 

Als Carola nach Hause kam, wurde sie gleich von ihren Eltern, Franz-Josef und Adelgunde Obermoser, begutachtet. Beide sind bereits über 50 Jahre alt und fanden zwar, dass dies für ein Mädchen ein wenig zu radikal ist, doch ein Donnerwetter ob der Frisur blieb aus.

Stattdessen erklärte Carola ihren Eltern: „Es ist normal, dass Ihr einen solchen Haarschnitt für ein Mädchen meines Alters für zu radikal haltet. Aber ich wollte es unbedingt einmal ausprobieren.“ Die Mutter fragte: „Und, wirst du diese Frisur behalten, sofern man es so nennen kann?“ Carola erwiderte: „Nein, werde ich nicht. Für den Sommer ist es in Ordnung, aber ansonsten ist es mir zu kurz. Daher werde ich meine Haare zu einem normalen Stiftenkopf herauswachsen lassen.“

Der Vater sagte daraufhin: „Also, ich denke, dass ein solcher Mut belohnt werden muss, oder?“ Die Mutter nickte und der Vater fuhr fort: „Daher werden wir dir das Geld für  das Haargel und für die Sonnenschutzmilch zurückerstatten.“ Carola strahlte und fiel ihren Eltern nacheinander um den Hals, dann sagte sie: „Ach, übrigens, der Herr Haberkorn hat mich eingeladen, am 05. September an einem Sonder-Servicetag teilzunehmen. Daher wollte ich Euch fragen, ob ich daran teilnehmen darf.“

Die Eltern tauschten einen vielsagenden Blick, dann sagte die Mutter: „Ich sehe keinen Grund, warum du nicht dürftest. Und ich denke, dass ich dich dorthin begleiten sollte. Musst du Bescheid geben, ob du teilnehmen kannst?“ Carola erwiderte: „Davon hat Herr Haberkorn nichts gesagt. Aber, um auf Nummer Sicher zu gehen, solltest du selbst in den Salon gehen und Bescheid sagen.“ Die Mutter nickte und nahm nochmals ihre Tochter in die Arme. 

Im Haus der Familie Steiner-Paltzer ging es an diesem Mittag sehr turbulent zu. Obwohl Alexander ja wusste, was ihn erwarten würde, war er doch ob der femininen Erscheinung des als männlich bekannten Haarschnitts bei seiner Frau überrascht. Alexander, der beim Eintreffen von Veronica mit Ute zusammen im Wohnzimmer gesessen hatte, war ob des Anblicks seiner Frau sprachlos.

Auch Ute sagte kein Wort, doch dann fand Alexander seine Sprache wieder und sagte: „Wow, das sieht sehr gut aus.“ Dann wurde er rot und fügte hinzu: „Du siehst so sexy aus, dass, wenn du nicht bereits meine Frau wärst, ich dir jetzt einen Heiratsantrag machen würde. Ich hoffe sehr, dass du diese Frisur für einige Zeit beibehältst.“

Veronica erwiderte: „Vielen Dank für das Kompliment. Und du, Ute, was sagst du zu meiner Verwandlung?“ Ute schluckte und sagte dann: „Ich finde, dass es Ihnen sehr gut steht.“ Veronica fragte: „Meinst du nicht, dass es ein wenig zu lang ist?“ Ute verneinte: „Überhaupt nicht. Ich finde, dass es Ihrem Alter angemessen ist.“

Veronica bedankte sich für das erneute Kompliment und Alexander fragte: „Und, was gibt es Neues? Wie war es im Salon?“ Veronica erzählte: „Ich habe mit Janine über die Sache gesprochen. Sie ist ebenfalls informiert und hat mir das Du angeboten, welches ich akzeptiert habe. Dann hat mir Janine diese Frisur vorgeschlagen. Mehr gibt es nicht zu berichten, denn das Ergebnis seht Ihr ja selbst. Wo sind die Zwillinge?“

Ute antwortete: „Die beiden kommen gelaufen, während ich von Ihrem Fahrer hergebracht worden bin. Aber die müssten auch gleich hier eintreffen.“

Veronica sagte: „Ute, ich merke, dass in Dir Etwas vorgeht, und ich möchte Dich bitten, folgende Worte aus Schillers Glocke-Gedicht zu bedenken, ich zitiere >Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.<“ Ute erwiderte: „Es war meine Absicht, in dieser Sache etwas zu tun, doch werde ich Ihren Rat beherzigen.“

Kurze Zeit später kamen die Zwillinge im Haus an, und nach einer ausgiebigen Bewunderung der neuen Frisur von Veronica fragte Brigitte: „Papa, hast du schon mit Ute gesprochen?“ Alexander nickte: „Ja, habe ich. Und was ich da gehört habe, wird Euch nicht sehr gefallen.“ Brunhilde entgegnete: „Ja, das können wir uns schon vorstellen. Also, welche Informationen hast du herausbekommen? Was hat Ute gesagt?“

Veronica warf ein: „Moment, Moment, nicht so schnell. Ute, zu allererst möchte ich dir mitteilen, dass du uns, also Alexander und mich, beim Vornamen nennen darfst. Allerdings solltest du beim Sie bleiben, da es sich nicht schickt, Erwachsene mit Du anzureden. Verstehst du das? Übrigens, mein Vorname ist Veronica. Mit „C“, wohlgemerkt.“ Ute nickte: „Vielen Dank für diese Erlaubnis.“

Alexander bat dann: „So, Ute, dann wiederhole einmal, was du mir vorhin erzählt hast.“ Ute holte tief Luft und erzählte: „Mein monatliches Taschengeld beträgt 30 DM, und davon muss ich die Hälfte meiner Friseurbesuche selbst bezahlen. Nur gestern war eine Ausnahme, denn da übernahm mein Vater die Kosten für meine Behandlung. Ich weiß nicht, wie es in der Zukunft ist, denn die Haberkorns haben uns in ihre Familie aufgenommen.

Auch ich werde am 05. September anwesend sein und dann die Behandlung meines Bruders bezahlen, wie ich es meinen Eltern versprochen habe. Dies ist für mich nicht weiter schlimm, da Onkel Josef für eine Auffrischung von Stefan nur 5 DM verlangt.“

Brunhilde schluckte ob dieser Angaben, doch Brigitte sagte: „Ja, so etwas Ähnliches haben wir uns schon gedacht. Und um dir zu zeigen, wie ernst es uns mit der Versöhnung ist, schlagen wir folgendes vor:

Wir beide werden im nächsten Schuljahr den gleichen monatlichen Taschengeldbetrag wie du erhalten. Allerdings bekommen wir die Möglichkeit, uns selbst über sehr gute oder schlechte Schulnoten zu belohnen oder zu bestrafen. Wie diese Planung aussehen wird, überlassen wir unseren Eltern. Was sagst du dazu, Ute?“

Ute erwiderte: „Ich finde, dass Ihr zu hart mit Euch selbst seid. Dennoch will ich mich da nicht einmischen. Ihr müsst tun, was Ihr für richtig haltet.“

Die Zwillinge schauten sich an, sagten aber nichts. Veronica atmete erleichtert auf und Ute sagte schließlich: „Also, ich denke, wir sollten die Versöhnung ein wenig feiern, oder? Brunhilde, Brigitte, seid bitte zwischen 15:00 Uhr und 15.30 Uhr an der Eisdiele.“

Die Zwillinge sagten zu, dann verabschiedete sich Ute von der Familie und ließ sich, da es schon zeitig war, von dem Fahrer der Steiner-Paltzers wieder nach Hause bringen. Dort konnte sie auch ihrer Mutter von den neuesten Entwicklungen berichten. Diese hatte den Zeitungsartikel ebenfalls gelesen und war genauso sprachlos darüber gewesen. Besagten Zeitungsartikel würde Ute auch zum Treffen mit Udo mitnehmen. 

Sobald Ute das Haus der Steiner-Paltzers verlassen hatte, machte sich die Familie daran, eine völlig neue Taschengeld-Vereinbarung auszuarbeiten. Brunhilde sagte: „Liebe Eltern, wir haben heute Morgen unseren unbedingten Willen bekundet, ohne Übertritts-Prüfung auf eine der höheren Schulen in der Kreisstadt wechseln zu wollen. Um dieses Ziel zu erreichen und um uns selbst anzuspornen, möchten wir Euch bitten, einen kleinen Maßnahmen-Katalog auszuarbeiten. Wir könnten das auch gemeinsam tun.“

Alexander wollte gerade etwas erwidern, als die Köchin hereinkam und mitteilte, dass das Mittagessen bald fertig sei. Daraufhin sagte Veronica: „Also, ich denke, dass wir das beim Mittagessen besprechen sollten, findet Ihr nicht?“ Alexander und die Mädchen nickten, dann gingen alle zusammen in das Speisezimmer, wo schon eine köstliche Weißwurst-Mahlzeit serviert worden war.

Mit dem Schlagen der Kirchturm-Uhr wurde der letzte Bissen verzehrt, denn, so besagt eine Legende, die Weißwurst darf niemals das Mittagsläuten hören. Die Unterhaltung am Mittagstisch war so lebhaft und anregend, dass eine Wiedergabe dessen den Rahmen dieses Textes sprengen würde.

Nach dem Mittagessen ging Alexander in sein Büro, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb die Vereinbarung, welche die Zwillinge mit ihren Eltern getroffen hatten, nieder. Die Vereinbarung lautete: 

Grundsätzliches: Diese Vereinbarung gilt für das gesamte nächste Schuljahr, welches den Besuch 6. Klassenstufe der hiesigen Hauptschule bedeutet. Der nachfolgend aufgeführte Maßnahmen-Plan dient zur Bewertung der Leistungen der Zwillinge Brunhilde und Brigitte Steiner-Paltzer, sowohl schulisch als auch in menschlicher Hinsicht. Für jedes der beiden Mädchen wird eine eigene Aufstellung geführt, da es sich um Individuen handelt, welche unterschiedliche Leistungen erbringen können. 

  1. Das monatliche Taschengeld wird auf 30 DM reduziert. Hinzu kommen jeden Monat nur jene Kosten, welche für den Friseurbesuch sowie für den Schulbesuch anfallen.
  2. Für ihre Bemühungen in den Hauptfächern (Deutsch, Englisch und Mathematik) wird nur dann eine Belohnung fällig, wenn die Note in der jeweiligen Klassenarbeit eine 3 oder besser ist. Folgender Schlüssel ist maßgebend: 10 DM für ein Sehr Gut, 5 DM für ein Gut und 2 DM für ein Befriedigend. Das Geld für die Belohnung wird über das Schuljahr hinweg angesammelt und erst zu Beginn der Sommerferien ausgezahlt.
  3. Für den Fall, dass das Ziel erreicht und der erforderliche Notendurchschnitt für den Übertritt auf die Wirtschaftsschule (2,66 in den Hauptfächern) geschafft werden sollte, winkt eine Belohnung von 50 DM, welche mit Erhalt des Zwischenzeugnisses bzw. des Sommerzeugnisses zur Auszahlung gelangen wird. Im Falle einer klaren 1,00 kommen noch einmal 20 DM dazu.
  4. Sollte es jedoch eines der Mädchen schaffen, in einem der anderen Schulfächer eine Note Mangelhaft oder sogar Ungenügend zu erhalten, wird ihnen beiden von dem Belohnungsbetrag ein Strafbetrag von 20 DM abgezogen. Außerdem müssen sich die beiden dann einem Strafhaarschnitt unterziehen, dessen Aussehen von uns, den Eltern, zu gegebener Zeit, festgelegt werden wird.
  5. Sollte uns, den Eltern, jedoch zu Ohren kommen, dass die Zwillinge mit ihrem Tun gegenüber ihrer Mitschülerin Ute Brunnhuber weitermachen, wird der gesamte aufgelaufene Belohnungsbetrag mit sofortiger Wirkung gestrichen sowie das Taschengeld um die Hälfte gekürzt. Auch werden die Zwillinge einen Extremhaarschnitt erhalten, um ihnen einen Denkzettel zu verpassen.
 

Diese Vereinbarung wurde im gegenseitigen Einverständnis zwischen uns, den Eltern Alexander und Veronica Steiner-Paltzer, und unseren Töchtern, den Zwillingen Brunhilde und Brigitte Steiner-Paltzer, geschlossen. Die Zwillinge sind mit den Maßnahmen einverstanden und werden sich nicht dagegen wehren, wenn es zur Bestrafung kommen sollte.

Alle Beteiligten haben eine Kopie dieser Vereinbarung erhalten. 

Unterschriften der Beteiligten 

Wie vereinbart trafen sich Ute und Udo kurz vor 15:00Uhr an der Eisdiele. Mit den kurzgeschorenen Haaren hätte sie ihn beinahe nicht erkannt. Nachdem ihm Ute ein Küsschen auf die Wange gegeben hatte, sagte er ihr, dass ein Junge keine längeren Haare als ein Mädchen haben sollte. 

Nun erzählte sie ihm dass sie sich mit Brigitte und Brunhilde versöhnt habe und fragte ihn ob er gut sitze. Die Antwort konnte der Junge sich sparen, denn gerade jetzt kamen die Angesprochenen und begrüßten die beiden mit „Hallo, Ute und Udo.“ Die beiden erwiderten die Begrüßung und nun sah auch Udo ihre Stiftenköpfe. Er fragte die Zwillinge, warum sie sich so radikal von ihren Mähnen getrennt hätten.

Brigitte antwortete: „Genau wie du haben wir Utes neuen Haarschnitt gestern Mittag gesehen. Daraufhin beschlossen wir es ihr gleich zu tun  aber für den Partnerlook mit ihr reichte die Erlaubnis unserer Eltern nicht aus, da sie eine maximale Kürze von 6 mm vorsah. Also haben wir Herrn Haberkorn beauftragt unsere Haare auf diese Länge zu scheren“.

Brunhilde fuhr weiter: „Außerdem hat uns unsere Mutter gesagt, dass sie uns Anfang September begleiten wird. Nachdem Du, Ute, gegangen warst, haben wir unsere Eltern u.a. gefragt, ob sie etwas dagegen hätten, wenn wir eine Arbeitsgruppe mit dir bilden, um unser vorrangiges schulisches Ziel zu erreichen. Auch könnten wir Dich, Udo, daran beteiligen, denn du bist ein Ass in Englisch, wo wir 3 nicht gerade gut sind. Dazu würden unsere Eltern uns einen Raum zur Verfügung stellen, wo wir ungestört arbeiten können.“ Sowohl Ute als auch Udo waren einverstanden, und dies wurde dann durch ein Abklatschen der Hände besiegelt. 

Plötzlich meinte Brigitte: „Wollen wir hier nur herum stehen oder endlich hineingehen? Kommt schon, wir laden Euch beide ein, nicht wahr, Schwesterherz?“ Brunhilde nickte und die 4 betraten die Eisdiele, suchten sich einen Tisch und setzten sich. Wenig später kam die Bedienung und nahm die Bestellung auf.

Nachdem die Bedienung wieder gegangen war, nahm Ute den Zeitungsartikel aus ihrer Schultertasche und reichte diesen an Udo weiter. Als er den Artikel gelesen hatte, stand sein Mund so weit offen, dass ein Zahnarzt problemlos eine Behandlung hätte durchführen können. Dann machte Udo den Mund zu, schüttelte den Kopf und sagte: „Das kann doch nicht wahr sein, oder? Das ist ein Mammut, welches Ihr mir da aufbinden wollt, oder doch nicht?“

Brunhilde verneinte: „Nein Udo, ist es nicht. Da unsere Mutter an der Aktion beteiligt war, kann sie die Richtigkeit dieses Artikels bestätigen. Dazu müsst Ihr wissen, dass sie zum Zeitpunkt, als dieser Artikel entstanden ist, in jenem Ort gewohnt hat. Auch unsere Mutter hat sich an jenem Tag einen Stiftenkopf verpassen lassen und sich sehr darüber gewundert, dass sie nichts dafür bezahlen musste.

Dieses Blatt  ist eine Kopie des Originals, da wir einen Kopierer im Haus haben. Das Original ist im Salon Haberkorn und ich denke, dass Frau Haberkorn als Friseurin aktiv an der Aktion beteiligt war.“

Brigitte warf ein: „Und Ute, du hast heute Vormittag meine Mutter gesehen, oder?“ Ute nickte und Brigitte erklärte: „Nun, diese Haare waren heute Morgen noch über 50 cm lang. Meine Mutter sagte uns zwar, dass sie den Artikel zurückbringen und sich die Haare schneiden lassen würde, doch dass es gleich so radikal sein würde, das hätten wir uns nie im Traum vorstellen können. Wie wär‘s, wenn wir uns am Freitag wieder hier treffen?“ Da inzwischen alle 4 ihre Eisbecher aufgegessen hatten, übernahm Brunhilde die Bezahlung.

Mit einem bis Freitag verabschiedeten sie sich und gingen nach Hause. 

Kurz nach 18:00 Uhr konnte auch Josef seinen Salon abschließen, doch war es für ihn und seine Frau ein sehr arbeitsreicher Tag gewesen. Josef dachte: >Wenn es an unserem normalerweise ruhigen Tag so hektisch zugeht, wie wird das dann erst morgen werden?< Er gab seiner Frau ein Küsschen auf die Wange und fragte: „War es bei dir genauso schlimm wie bei mir?“

Janine nickte und sagte: „Ja, allerdings. Mir blieben gerade einmal knapp 15 Minuten, um ein belegtes Brot zu essen. Und schon ging es weiter. Außerdem hatte ich ein sehr ausführliches Gespräch mit Frau Steiner-Paltzer, welcher ich als die Ältere das Du angeboten habe.

Außerdem stellte sich heraus, dass Vroni, so heißt sie mit Vornamen, damals an der Aktion beteiligt war, welche im Zeitungsartikel beschrieben ist. Den Inhalt des vernichteten Zettels kennt sie seit dem letzten Mittwoch, und eine Bestrafung wäre für die Zwillinge sehr hart geworden. Die 6-mm-Erklärungen können wir als gegenstandslos betrachten, aber ich denke, dass wir diese als Erinnerung in unserer Wohnung aufhängen sollten.“

Danach hatte ich nur zwei Kundinnen, an denen ich den Clipper nicht benutzen musste. Alle anderen wollten entweder einen kurzen Pixie oder einen Stiftenkopf, und von den dunkelhaarigen Kundinnen bestanden alle auf einer Restlänge von 7 mm.

Eine Ausnahme bildete dabei eine Kundin, welche einen sehr kurzen Eton-Crop haben wollte, mit Oberkopfhaaren, die sich gerade noch legen. Als ich diesen Haarschnitt angefertigt hatte, war die Kundin sehr zufrieden und sagte zu mir, dass sie bei ihrer Einschulung den gleichen Haarschnitt gehabt hatte. Die Kundin war damals todunglücklich gewesen, weil sie vorher fast hüftlange Haare gehabt hatte. Doch ihre Mutter hatte auf einem sehr kurzen Eton-Crop bestanden. 

Josef berichtete: „Bis auf das eine Mädchen, welches Partnerlook mit Gretl haben wollte, hatte ich heute nur männliche Kundschaft zu bedienen. Den Jungen, welche heute Morgen hier waren, habe ich die teilweise langen Haare auf 6 mm abgeschoren. Anschließend hatte ich ein paar Kunden mit konventionellen Haarschnitten.

Dann, so gegen 16:30 Uhr, kamen dann 4 Jungen, welche unbedingt Partnerlook mit Udo haben wollten. Denen habe ich dann gesagt, dass ich das wegen der Sonnenbrandgefahr nicht machen würde. Nach einer kurzen Diskussion haben wir uns dann darauf geeinigt, dass ich denen die kragenlangen Haare auf 4,5 mm abrasieren darf. Ich kann nur hoffen, dass es morgen nicht wieder so stressig wird.“

Janine gab Josef einen Kuss und sagte: „Nun ja, das können wir uns leider nicht aussuchen. Oder willst du wirklich nur noch Terminkunden annehmen?“ Josef lachte: „Nein, natürlich nicht. Aber ein ruhiger Tag im Salon wäre zur Abwechslung auch mal schön.“ 

Fortsetzung folgt


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